Mythos: „Das Problem ist in einer Einheit gelöst“

Facebook hat ja gute und schlechten Seiten. Eine dieser schlechten Seiten ist für mich, dass ich auch immer wieder Werbung zu fragwürdigen Hundetrainings-Methoden sehen muss. So auch heute morgen, als ich ein Video zum Thema „Das Problem ist einer Einheit gelöst“ sehen „durfte“. Warum man von solchen Versprechungen lieber Abstand nehmen sollte, erkläre ich im untenstehenden Blog-Artikel.

Das Problem mit den schnellen Lösungen

Gerade zum Thema Aggressionsverhalten findet man immer wieder solche Angebote. Tatsächlich funktionieren kann das nur, wenn dabei mit einem Höchstmaß an Druck und/oder Gewalt gearbeitet wird. Der Hund wird im Training so sehr eingeschüchtert, dass er jegliches Verhalten sofort einstellt. Unter dem Deckmantel von „Korrekturen“ werden Maßnahmen eingesetzt, die tierschutzrelevant sind. Denn lt. Österreichischem Tierschutzgesetz ist es verboten dem Hund ungerechtfertigt Leid, Schmerzen oder Schäden zuzufügen bzw. ihn in schwere Angst zu versetzen!

Die Risiken und Nebenwirkungen

Die Folge ist immer ein Vertrauensverlust in den Hundehalter. Denn selbst wenn man den als Hundebesitzer diese Art von Training nicht selbst durchführt wird die Bindung massiv beschädigt. Schließlich hat der Halter den Hund hingebracht und vermutlich auch zugesehen, ohne ihm zu helfen.

Außerdem ist die Gefahr von Fehlverknüpfungen unfassbar hoch. Denn sieht der Hund zum Beispiel gerade einen Artgenossen an, wenn die Gewalt auf ihn einwirkt, dann verknüpft er den Schmerz mit dem anderen Hund. Er lernt also: Hund heißt, ich empfinde massive Schmerzen. Er wird sich zukünftig also möglichst weit von Artgenossen fern halten. Ist das nicht möglich – zum Beispiel weil er durch eine Leine gesichert ist – wird er versuchen sich zu verteidigen um nicht wieder Schmerz empfinden zu müssen. Diese Art der Fehlverknüpfung bezieht sich aber nicht nur auf andere Hunde. Es kann auch Menschen, Fahrräder, Kinder, Kinderwägen, Roller, etc. betreffen – je nachdem, welche Reize dem Vierbeiner während des „Trainings“ präsentiert wurden. Nicht selten kommt es deshalb bei dieser Art des Trainings nur zu einer Problemverschiebung und nicht zu einer tatsächlichen Verbesserung des Verhaltens.

Zusätzlich ist diese Art der Lösungen selten nachhaltig. Der Hund wird sich in den Tagen und Wochen danach unauffällig zeigen, weil er viel zu große Angst davor hat, dass ihm wieder schlimmes passiert. Da er aber nie gelernt hat, welches Verhalten erwünscht ist, weiß der Vierbeiner auch gar nicht was von ihm erwartet wird. So wird das Problem in kürzester Zeit wieder auftreten und vielleicht sogar schlimmer als vorher.

„Der wird sonst eingeschläfert“

Häufig rechtfertigen Trainer diese Methoden damit, dass der Hund aufgrund seines Verhaltens sonst eingeschläfert worden wären, wenn sie ihn nicht „resozialisiert“ hätten. Tatsächlich ist das laut Österreichischem Tierschutzgesetz gar nicht erlaubt, denn es ist verboten, Tiere ohne vernünftigen Grund zu töten. Tierärzte machen sich also strafbar, wenn sie gesunde Hunde einschläfern. 

Fazit

Verhaltensprobleme können niemals in kürzester Zeit gelöst sein. Hunde brauchen wie alle Lebewesen Zeit um zu lernen, zu verarbeiten und ein neues Verhalten zu etablieren. Deshalb bitte: Hände weg, wenn Training unrealistische Versprechungen beinhaltet.

Man sollte sich auch immer die Frage stellen: Möchte man eine sauber trainierte, zuverlässige Lösung ohne schlimme Nebenwirkungen? Oder entscheidet man sich lieber für ethisch fragwürdige Methoden, die kurze Besserung versprechen aber mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einer Verschlimmerung des Problems führen werden? Die Antwort muss jeder für sich selbst finden.