Warum ich auf Gewalt im Hundetraining verzichte!

Von Jessica Berger|März 1, 2017|Allgemein, Uncategorized|2 Kommentare

 

Ich freue mich, Teil der diesjährigen Blogparade zu sein! Worum es dabei geht, könnt ihr hier nachlesen: it’s time to change – der auftakt zu etwas gutem“. Ich habe lange darüber nachgedacht was mein Beitrag zu diesem Thema sein soll. Schlussendlich habe ich mich dafür entschieden über Gewalt in der Hundeerziehung zu schreiben – da es ein sehr emotionales Thema ist wurde der Beitrag ein bisschen länger als gewohnt 🙂

Gewalt in der Hundeerziehung

Was bedeutet „Gewalt“ überhaupt? Nun, für mich ist Gewaltanwendung alles, was einem anderen Individuum Schmerz oder Leid zufügt, sowie es in Angst versetzt. Dazu zählen im Hundetraining Praktiken wie Leinenrucks, Schläge, Tritte, etc. aber auch „Trainingsgeräte“ wie Rütteldosen, Fisher-Discs, Stachelhalsbänder, Kettenhalsbänder, Anti-Zug-Geschirre, Stromimpulsgeräte und vieles mehr. Nicht zu vergessen ist in diesem Zusammenhang auch die Anwendung von psychischer Gewalt wie Anbrüllen, Isolieren, Entzug von Zugneigung usw. Diejendigen, die der Meinung sind, dass diese Dinge in Österreich schon längst der Vergangenheit angehören muss ich leider enttäuschen! Teilweise verursacht durch diverse Fernsehshows wurde der Gewalt im Hundetraining eine neue Plattform geschaffen.

Hier einige, rational betrachtete Gründe warum man den Einsatz von Gewalt absolut ablehnen sollte:

  1. Umsetzung
    Vielen Leuten erscheint Hundetraining sehr simpel. Frei nach dem Motto „Haust einmal drauf, dann macht der Hund das nie wieder“. So einfach ist es jedoch nicht! In Wirklichkeit ist der Einsatz von Strafe* hoch komplex. Sie folgt nämlich drei Gesetzen:

    • Die Strafe muss stark genug sein um das Verhalten zuverlässig zu unterbrechen (= in jedem Fall ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz).
    • Die Strafe muss IMMER dann erfolgen, wenn der Hund das unerwünschte Verhalten zeigt.
    • Die Strafe muss SOFORT erfolgen, wenn der Hund das unerwünschte Verhalten zeigt.
      Damit ist der Einsatz von Strafen* im Hundetraining praktisch schlicht und einfach nicht durchführbar!
  2. Gefahr der Fehlverküpfungen
    Gewalt steht immer mit Schmerzen und negativen Emotionen in Zusammenhang. Straft man den Hund, werden diese negativen Aspekte mit der kompletten Situation verknüpft. So verbindet der Vierbeiner alles was in diesem Moment um ihn herum passiert mit Schmerzen. Schaut der Hund also gerade einen Artgenossen an, wenn die Strafe einsetzt, dann lernt er: Hund = Schmerz. So schafft man unberechenbare Vierbeiner, die vermeintlich „unbegründet“ plötzlich attakieren – tatsächlich ist aber einfach eine Fehlverknüpfung passiert. Das geht schnell und hat massive Auswirkungen. Fehlverknüpfungen sind aber recht einfach zu verhindern, wenn man auf den Einsatz von Strafen* verzichtet!
  3. Emotionen & Schmerzen
    Genau wie wir Menschen empfinden auch Tiere Schmerzen und ebenso haben sie auch Emotionen. In diesem Zusammenhang kann man den Menschen absolut mit dem Tier gleichsetzen (schlussendlich sind wir ja auch nichts anderes als Säugetiere…). Wenn man also Gewalt ggü anderen Menschen ablehnt, kann man Gewaltanwendung an Tieren nicht gutheißen!
  4. Psychische Schäden
    Gewalt an Tieren anzuwenden ist nichts anderes als Misshandlung. Jede Misshandlung, egal ob physische oder psychische hinterlässt immer Spuren und/Traumas.
  5. Vertrauensverlust
    Die Mensch-Hund-Beziehung ist einmalig auf dieser Welt. Kein Tier bindet sich so eng an den Menschen wie es Hunde tun. Eine Beziehung, die eigentlich voll Vertrauen beginnt wird zerstört, wenn es zu Gewaltanwendung kommt!
  6. Der Hund als Schutzbefohlener
    Hunde (bzw. Tiere im Allgemeinen) haben keine Wahl, sie können sich nicht aussuchen, bei welchen Menschen sie landen. Sie sind Schutzbefohlene, die ihren Menschen hilflos ausgeliefert sind. Nun sollte sich jeder die Frage stellen: will ich ein Mensch sein, der dieses Abhängigkeitsverhältnis ausnutzt? Kann ich mich selbst dann noch im Spiegel ansehen?
  7. Erhöhung der Gewaltbereitschaft beim Hund
    Wenn man Gewalt im Hundetraining einsetzt bringt man den Hund in eine Lage in der er sich wehren MUSS um sich Schmerzen zu entziehen. Leider sehen viele Hundehalter/Trainer dies als Grund noch härter einzugreifen. Hunde sind Lebewesen/Individuuen wie wir und nicht unsere Sklaven! Sie müssen NICHT alles mit sich machen lassen. Die Gewaltanwednung gegenüber Hunden ist einer der häufigsten Gründe, warum es überhaupt zu Beißvorfällen kommt! Wäre man dem Hund immer mit Respekt entgegengetreten, wäre es oft gar nicht so weit gekommen, dass der Vierbeiner zubeißen muss.

Warum kommt es also noch immer zur Gewaltanwendung im Hundetraining?

Es sprechen also sehr viele Gründe gegen den Einsatz von Gewalt. Warum wird sie trotzdem noch immer angewandt? Meine subjektive Einschätzung ist, dass es aus folgenden Gründen passiert:

  • Es gibt Hundehalter/Hundetrainer, die es tatsächlich nicht besser wissen und erst darauf gebracht werden müssen, dass es bessere Wege gibt unsere geliebten Vierbeiner zu erziehen! Diese Personen hoffe ich mit meinem Artikel zu erreichen! Ich unterhalte mich sehr gerne mit Jedem, der über Methoden diskutieren möchten – kontaktiert mich 🙂
  • Gewalt passiert oft aus Überforderung. Wer kennt es nicht, dass man manchmal seine Emotionen nicht kontrollieren kann, wenn der Hund sich nicht sozial-erwünscht benimmt und vielleicht mal wieder ausrastet, weil er einen anderen Hund sieht? Gewaltanwendung ist aber immer das denkbar schlechteste Mittel um die Situation zu verbessern. Mein Tipp: kontaktiert einen Hundetrainer eures Vertrauens und lasst euch beraten. Von außen ist es sehr viel leichter eine Situation zu beurteilen und Alternativen aufzuzeigen! Schon ein kurzes Beratungsgespräch kann ausreichen und kostet nicht die Welt. Auch ich suche mir immer wieder Hilfe bei verschiedenen Trainern, weil ich selbst zu „nahe dran“ bin um eine Lösung zu sehen.
  • Zuletzt gibt es noch die Hundehalter/Hundetrainer, die zwar andere Methoden kennen, weiterhin aber an Gewaltanwendung festhalten. Hier stellt sich für mich die Frage, mit welchen Ängsten diese Personen selbst zu kämpfen haben: Haben sie tatsächlich Angst, dass der Hund die Herrschaft über ihr Leben übernimmt? Haben sie Angst die Kontrolle zu verlieren? Geht es wirklich um den Hund oder darum eine Herrschaftsbeziehung auszuleben?

Und nun?

Wie oben schon erwähnt ist es ein sehr emotionales Thema für mich. Es ist für mich sehr belastend zu sehen, wie manche Hundehalter/Hundetrainer mit Hunden umgehen. Was kann man also tun? Ich denke, man muss dran bleiben, bestmöglich versuchen aufzuklären und in schlimmen Fällen einschreiten!

*Aus Gründen der Einfachheit schreibe ich in diesem Zusammenhang von „Strafe“. Gemeint ist der Einsatz von positiver Strafe aus lerntheoretischer Sicht.

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