MYTHOS: Hunde machen das untereinander auch so!

Von Jessica Berger|30. März 2018|Allgemein, Mythen der Hundeerziehung|1 Kommentare

Diese Aussage kursiert immer wieder – hauptsächlich dann, wenn Gewaltanwendung gegenüber Hunden gerechtfertigt werden soll. Doch was ist dran?

Hier ein paar Fakten dazu:

Konflikte zwischen Hunden

Ja, es gibt natürlich Konflikte zwischen Hunden! Und ja, teilweise eskalieren diese Konflikte auch und es kann zu Gewalt zwischen Vierbeinern kommen.
Was dabei aber häufig übersehen wird: bevor eine Eskalation passiert, sendet jeder der beteiligten Hunde eine Vielzahl an Stress-, Beschwichtigungs- und Warnsignalen. Diese Signale sind teilweise sehr offensichtlich – also gut für uns Menschen sichtbar – teilweise aber so subtil, dass Hundehalter sie kaum bzw. gar nicht wahrnehmen können. Zur Gewaltanwendung – zwischen sozialen Hunden – kommt es also niemals ohne eine Vielzahl an Vorzeichen.

Nun sind wir Menschen in unserer körpersprachlichen Kommunikation deutlich eingeschränkt. Da wir uns schon seit mehreren tausend Jahren hauptsächlich auf sprachliche Kommunikation verlassen, sind wir im Einsatz von Körpersprache im Vergleich mit unseren Hunden absolute Laien. Noch dazu fehlen uns wichtige Kommunikationsmerkmale um uns unseren Hunden wirklich verständlich mitzuteilen. Wir haben also gar keine Möglichkeit die (mehr oder weniger) subtilen Vorwarnungen zu geben, die Hunde untereinander benutzen. Eine Gewaltanwendung kommt für den Hund also immer überraschend und ist ihm unverständlich, da der Vierbeiner keine Warnsignale bekommen konnte.

Einsatz von Gewalt bei Konflikten

Für uns Menschen sieht ein eskalierter Konflikt zwischen Hunden natürlich schnell nach Gewalt aus. Sieht man sich die Begegnung von Hunden jedoch in Zeitlupe an, dann merkt man schnell, dass es selten zu tatsächlicher Gewalt kommt. Zum Beispiel wird beim Abschnappen zielsicher am Gegner vorbeigeschnappt, es kommt nur in Ausnahmefällen zum direkten Kontakt.

Gewalt als Trainingsmaßnahme?

Außerdem verlangen Hunde von ihren Artgenossen selten Verhaltensweisen wie Sitz, Platz, Fuß, Tricks, etc. Wir können also unser Zusammenleben mit Hunden nicht wirklich mit einem natürlichen Umfeld vergleichen. Wir verlangen sehr viel von unseren Vierbeinern, was für sie nicht arttypisch ist: Kommandos und Signale, Tricks, Bewegen innerhalb einer Stadt oder Geschäften und vieles mehr. Da viele der Dinge nicht im natürlichen Verhaltensrepertoire vorkommen ist Training notwendig. Im Training hat Gewalt überhaupt nichts zu suchen, denn versteht der Schüler eine Übung nicht, dann ist immer der Lehrer Schuld – er hat schließlich keine Möglichkeit gefunden, seinem Schüler begreiflich zu machen, was er erwartet.

Ausnahmen zur Regel

Es gibt natürlich Ausnahmen davon: Hunde, die eine schlechte Sozialisierung erfahren haben und/oder aus schlimmen Haltungsbedingungen kommen, tun sich oft schwer mit subtiler Kommunikation, weil sie diese oft nicht erlernt haben. Auch gibt es unter Hunden Individuen, die durch schlechte/traumatische Erfahrungen dazu neigen sofort Gewalt einzusetzen. Hier muss man sich selbst die Frage stellen, an welchen Lebewesen man sich orientieren möchte –  an den sozial kompetenten Hunden oder an Psychopathen? Für mich ist die Anwort klar!

In diesem Sinne wünsche ich euch ein schönes Osterwochenende mit euren Liebsten!

Blogparade 2018

Dieser Artikel erscheint im Rahmen der Blogparade 2018 zur Aktion „Tausche TV-Trainer-Ticket gegen Training“ der Initiative für gewaltfreies Hundetraining. Seit 2014 tauschen mehr als 200 TrainerInnen aus Österreich, Deutschland und der Schweiz gebrauchte TV-Trainer-Tickets für ein halbes Jahr nach der Veranstaltung gegen eine Gratis-Trainingsstunde.

Auch dieser Blogartikel ist Teil der Blogparade, den Startschuss dazu machte Sunny Benett mit ihrem Blogbeitrag über die Fabel von der ruhigen Energie.

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